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Kettendelegationen, Problemlösungen und Interface

by - 4. November 2012

Seit @Street_Dogg seinen sorgfältig recherchierten Artikel zu Delegationen in LQFB formuliert hat, wurde viel über deren Nachteile diskutiert, aber wenig über die Vorteile. Auch werden viele Schlußfolgerungen aus dem Status Quo gezogen.

Der LV Bayern will nun sogenannte Präferenzdelegationen einführen. Dies hat — allgemein — schon @tarzun kritisiert.

Wir möchten den Fokus auf eine bestimmte Stelle lenken: Eine der Hauptsorgen am Delegationsprinzip in LQFB ist Fire and Forget: Leute delegieren und schauen dann nie wieder nach, was ihre Delegation macht. Tatsächlich ist hier ein wesentliches Verbesserungspotential, denn ein wichtiger Teil der flüssigen Demokratie ist ja auch, dass Delegationen jederzeit entzogen werden können. Dies setzt die Informiertheit des Nutzenden voraus.

Interface Design ist nicht einfach nur Oberfläche schön machen
Wenn wir also als Problem definieren „Es ist schwer zu erkennen, was mit der eigenen Stimme passiert“, wäre die logische Lösung eines Interfacedesigners: Das System LQFB muss mehr Rückmeldungen geben und Transparenter sein.

Da aber viele Piraten Interfacedesign nur als „schöne GUI machen“ verstehen, kommen die abenteurlichsten Verbesserungsvorschläge (von denen der einzig sinnvolle bisher der Delegationsverfall ist, welcher auch implementiert ist). Dazu gehören nicht nur, aber auch:

  • bestimmte Personen zu markieren, bei denen die Delegation nie enden darf,
  • Verteilungsschlüssel, durch den eine Stimme schwächer wird, je weiter sie delegiert wurde
  • das Konzept Flüssige Demokratie komplett aufzugeben, da es einen informierten Nutzenden gar nicht geben kann

Ein Interface kommuniziert mit dem Nutzer und erlaubt nicht nur Eingaben, sondern gibt auch Informationen raus. Piraten, die diese Vorschläge machen, sind meistens keine Interface Designer und sehen Systeme nur als Eingabemasken.
Um zu verdeutlichen, wie wichtig die Anzeige eines Interfaces ist, führen wir einige Beispiele an, die das Verhalten der Nutzer verändern.

  • Beispiel 1: Facebook Geburtstagserinnerung. In Facebook führt die Eingabe der Nutzer zu ihrem Geburtsdatum dazu, dass jeder, der mit der Person befreundet ist, informiert wird, wenn die Person Geburtstag hat. Das führt zu einer weiteren Interaktion, nämlich sehr, sehr vielen Geburtstagswünschen auf der Pinnwand. Es führt ausserdem dazu, dass viele Menschen in Facebook sich Geburtstage gar nicht mehr merken und sich komplett auf das System verlassen. Wer dort ein falsches Geburtstagsdatum einträgt, wird das sicher schonmal erlebt haben.
  • Beispiel 2: Kennzeichnung von Links. Es hat sich im Netz allgemein durchgesetzt, dass ein Link unterstrichen ist. Unterstreichungen sollten also nicht so genutzt werden, wie dies in Printpublikationen gemacht wird, da davon ausgegangen wird, dass die Veränderung der Anzeige „unterstrichen“ die Funktionalität „Sprung woanders hin“ nach sich zieht.

Kurzum: Problemlösungen im Design sind Problemlösungen in der Kommunikation. Designstudiengänge sind auch keine Studiengänge, wo man drei oder vier Jahre lernt, Dinge schön zu machen (auch wenn das natürlich ein Teil von Kommunikation ist). Entsprechend heißen die Studiengänge heute auch nicht mehr Grafikdesign, sondern Kommunikationsdesign oder Informationsdesign.

Es darf nicht unterschätzt werden, wie schon kleine anzeigende Elemente (wie z.B. bei Facebook die Geburtstagserinnerung, die gerade mal 16×200 Pixel groß ist) massive Änderungen im Nutzerverhalten nach sich ziehen.

Die Designlösung
Da Delegationen so ein wichtiges Prinzip von Flüssiger Demokratie sind, müssen diese auch dargestellt werden. Gegenwärtig wird der Nutzer hier nur informiert, wenn er die Information gezielt sucht. Das ist vergleichbar mit dem Klicken auf ein Profil im Facebook, um das Geburtsdatum herauszufinden: Das Feature wird nicht genutzt.

Bei Bombay Crushed soll neben einer Informativeren Delegationsunterseite der Nutzer schon auf der Startseite mit den Handlungen seiner Delegierten konfrontiert werden.

Punkt 1: Ende der Delegationskette.
Hier wird eine Initiative, die man delegiert hat, zusammen mit dem Profilbild der Person angezeigt, die Schlussendlich für einen abstimmt. Ein Profilbild, das einem unbekannt ist, wird hier schnell als „anders“ wahrgenommen. Ein kleiner Eingriff mit großen Informationsgehalt.

Punkt 2: Delegationsbox
In der Delegationsbox wird der Nutzende rückwirkend informiert, wie seine Delegierten gehandelt haben. Was wurde Unterstützt und wie wurde abgestimmt? Eine wesentliche neue Anzeige.

Punkt 3: Informationsgrafik
Unterscheidung von delegierten Stimmen und nicht-delegierten Stimmen bei erfolgten Abstimmungen. Dabei geht es nicht darum, die nicht delegierten Stimmen als minderwertig zu bewerten: Viele delegierte Stimmen geben auch Aufschluss darüber, dass sich viele Nutzende bei einem Thema sehr unsicher oder wenig involviert sind. Dies kann z.B. in der Piratenpartei dazu führen, dass man innerparteiliche Bildungsangebote macht.

Darüber hinaus sollen Nutzende auf ihrer Profilseite die Möglichkeit haben, ihr Stimmverhalten zu begründen. Dies kann bei der Auswahl eines Delegierten behilflich sein.

Vertrauen
„Vertrauen“ ist das einzige System, das man nutzen kann, wenn man über die Auswirkungen der eigenen Handlung nicht mehr unter Kontrolle hat. Superdelegierte entstehen auch, weil sie durch ihr Stimmgewicht ziemlich in der Öffentlichkeit stehen und so ihr Stimmverhalten auf anderen Kanälen als dem LQFB Interface leichter überprüft werden kann. Wenn das System an dieser Stelle transparenter wird, kann durchaus mit Änderungen im Nutzerverhalten gerechnet werden.

Fazit
Unser Release der lesenden Alpha bietet noch nicht alle Funktionen an, da unser Frontend auch neue Anforderungen an die API stellt. Dennoch ist die Anzeige von Informationen ein wesentlicher Teil von Bombay Crushed und somit tatsächlich die niedrige Versionsnummer etwas irreführend. Wer das Projekt interessant findet und mitarbeiten möchte, findet unser Projekt auf github.

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